ADVAITA – DAS DENKEN DER EINHEIT (MYSTIK)


Guru – Disciple. Das Leben von Shri Shri Shri Shivabalayogi Maharaj und Sein Vermächtnis.
Autor: Dr. Bruce Young.
Übersetzung: Dr. Simon Reitze

Mein philosophisches Interesse mündet in die Philosophie Indiens, genauer in die sogenannte Advaita, das Denken der Einheit, für das grosse indische Heilige wie Adi Shankacharya (788–820, Kerala/Indien) stehen. Ihre Aussagen decken sich im Wesentlichen mit jenen der westlichen Mystik des Mittelalters (Meister Eckhardt, Bruder Klaus, Heinrich Seuse u.a.). Es ist die Mystik Indiens.

Ich habe begonnen, die Bücher von/über zwei Exponenten des 20. und 21. Jahrhunderts vom Englischen ins Deutsche zu übersetzen. Bereits fertig und publiziert ist das erste deutsche Werk über die Lebensgeschichte und Philosophie von Shri Shivabalayogi Maharaj und Shri Shiva Rudra Balayogi, geschrieben von Dr. Bruce Young. Der Klappentext sagt:

“Es gibt keine faszinierendere Beziehung als die zwischen Guru und Schüler (Shishya). Diese Lebensgeschichte zweier großer Yogis enthüllt, auf welchen mysteriösen Wegen ein Guru seinen Schüler zu dessen Befreiung führt.
Die wahre Geschichte beginnt in einem Dorf an der Küste von Andhra Pradesh, mit einem Jungen namens Satyaraju. Im Alter von vierzehn Jahren hatte Satyaraju eine ausserordentliche Erfahrung, die bewirkte, dass er für die nächsten zwölf Jahre lang zwanzig Stunden täglich in Samadhi meditierte. Welche enormen Herausforderungen das für den jungen Satyaraju bedeutete, wird für Leserinnen und Leser im Detail geschildert: Die Elemente der Natur im offenen Feld (Hitze, Kälte, Regen), die Armut seiner Familie oder die verheerende Wirkung von Kobra-Bissen und Skorpion-Stichen. Nach zwölf Jahren tiefster Versenkung tritt er als Yogi und Weiser der höchsten Stufe hervor: der große Shri Shivabalayogi Maharaj.
Ein Meister entsteht immer aus einem perfekten Schüler. So führt das Buch die Leserinnen und Leser weiter zum Training, das Shri Shivabalayogi seinem Schüler Seenu gab: im Dehradun Ashram, im Vorgebirge der Himalayas. Die unermessliche Weisheit Shri Shivabalayogis zeigt sich in der Schilderung, wie er seinen Schüler in den Pfaden der Meditation, Hingabe und Dienst rigoros unterrichtete – sowohl durch seine tiefgründigen spirituellen Äusserungen als auch durch seine unermessliche Stille.
Der letzte Teil des Buchs erzählt von der sagenhaften Unerschütterlichkeit, mit der Seenu die Anweisungen und Lehren seines Gurus in die Tat umsetzte und so die erstaunlichsten spirituellen Ziele erreichte. Nachdem er von 1994 bis 1999 für zwanzig Stunden täglich unverrückbar in tiefster Meditation verbrachte, wurde Seenu zum selbstrealisierten Meister: Baba Shiva Rudra Balayogi Maharaj.
Dieses Buch gibt einen seltenen Zugang zur Welt zweier spiritueller Giganten und schildert ihren Weg zur Selbstrealisierung über die Guru-Schüler-Beziehung, eine uralte und geheimnisvolle Tradition Indiens.”

Vorwort zur deutschen Übersetzung

„Dies ist die Geschichte von zwei Meditations-Meistern, die Selbstrealisierung erlangten. Der eine ist Shri Shivabalayogi, der Guru, und der andere ist Sein Shishya, Shri Shiva Rudra Balayogi“, sagte Shri Shiva Rudra Balayogi, „so könnte die Einleitung zur deutschen Ausgabe beginnen“ … und so beginnt sie.
Die Geschichte dieser beiden Yogis, die hier erzählt wird, ist alles Andere als eine gewöhnliche Geschichte. Ein Yogi ist jemand, der den Weg nach innen bis zm Ursprung gegangen ist. Durch vollkommene, jahrelange Dauer-Meditation (‚Tapas’) hat Er das Selbst/das Göttliche realisiert, was eine zweifache Bedeutung hat: Er hat das Selbst/das Göttliche erkannt (die ‚Schau Gottes’ ist Ihm zuteilgeworden) und Er ist gleichzeitig mit dem Selbst/dem Göttlichen eins geworden. Ein Yogi hat also das Ziel des Yoga erreicht: die Vereinigung mit dem Göttlichen, die ‚Unio mystica’, wie sie in der christlich-mystischen Tradition heisst. Aus der Sicht Indiens sind Yogis Heilige und umgekehrt, d.h. sofern die Heiligen ‚Tapas’ absolviert und dadurch Selbstrealisierung erreicht haben, gelten sie als Yogis. Natürlich gibt es männliche Yogis und weibliche Yoginis. So wie es Heilige auf der ganzen Welt gibt, gibt es auch Yogis und Yoginis auf der ganzen Welt.
Der höchst anspruchsvolle Weg nach innen, der in Indien ‚Tapas’ heisst, hat im christlichen Westen keinen eigenen Namen und wird bloss umschrieben: beispielsweise als ‚Versenkung’, ‚Andacht’ oder ‚ständiges Gebet’. Dass auch viele westliche Heilige einen ausserordentlichen Prozess durchliefen, wird am Beispiel von jenen offensichtlich, die sich als ‚Einsiedlerinnen und Einsiedler’ zurückzogen oder als sogenannte ‚Inklusen’ oder ‚Reklusen’ lebten; d.h. sie wohnten fernab von anderen, beispielsweise in Höhlen, oder liessen sich sogar über Jahre einmauern, beispielsweise in einem Kloster.
Dies ist die erste deutsche Ausgabe eines Buchs über die Lebensgeschichten von Shri Shivabalayogi und Shri Shiva Rudra Balayogi. Ihre Geschichte und ihre Sprache ins Deutsche zu übertragen, war eine Herausforderung. Die Übersetzung versucht, das englische Original – so gut es geht – wörtlich wiederzugeben. Was dabei herauskommt, sind nicht immer deutsche Sätze, wie wir sie gewohnt sind. Denn ein Yogi hat etwas erlebt, was niemand sonst erlebt hat; und Er hat etwas zu sagen, was niemand sonst zu sagen hat.
Die Ausdrucksweise der Yogis ist einzigartig klar und einfach; sie berührt durch ihre Direktheit und gleichzeitige Wärme. Wer Shri Shivabalayogi und Shri Shiva Rudra Balayogi zuhört, weiss: Ich bin gemeint – wir alle sind gemeint. Sie sprechen über das, was uns allen gemeinsam ist: Das Selbst, die Seele. Am deutlichsten „sprechen“ die Yogis darüber, wenn Sie schweigen. Dann strahlen Sie am stärksten aus, was Sie ausmacht: Höchsten Frieden; Gelassenheit; Stärke; Unvermitteltheit; Verbundenheit mit allem und allen. Die Ausstrahlung eines Heiligen erschüttert und heilt zugleich. Fragen und Zweifel, die man noch vor Augenblicken hatte, lösen sich plötzlich in nichts auf; Friede senkt sich auf einen herab. Dies kann im ‚Darshan’ geschehen, in der (stillen) Begegnung von Angesicht zu Angesicht mit einem Yogi, in der Er uns an der Wirkung Seiner Selbstrealisierung teilhaben lässt. Auch wenn die Erfahrung Gottes, die sich laut Shri Shiva Rudra Balayogi am treffendsten als Höchster Friede beschreiben lässt, sprachlich nicht vollumfänglich mitteilbar ist, so lässt sie sich doch teilen.
Shri Shiva Rudra Balayogi sagte einmal, sein Meister habe Ihn Tapas absolvieren lassen, damit Er uns die Lehre Seines Meisters auf englisch vermitteln könne. Dies gelingt Ihm mit Leichtigkeit und Charme. Bitte haben Sie Nachsicht, wenn die deutsche Übersetzung des englischen Originals wie erwähnt manchmal holpriger klingt. Währenddem Indien seine Spiritualität seit Jahrtausenden ohne Unterbrechung weitergegeben und dann ins Englische übersetzt hat, müssen wir im Deutschen wichtige spirituelle Begriffe rekonstruieren.
Ein Schlüsselbegriff im vorliegenden Buch ist ‚Shishya’ (auf englisch ‚disciple’). Shri Shiva Rudra Balayogi erklärte dazu: „Ein Schüler will lernen. Ein Shishya lernt von einem bestimmten Guru auf disziplinierte Weise.“ – Was das bedeutet, schildert die folgende Lebensgeschichte von Shri Shivabalayogi, dem Guru, und Shri Shiva Rudra Balayogi, Seinem Shishya.
Aus Sicht des deutschsprachigen Kulturraums ist das, was ein Yogi zu sagen hat, hochinteressant – besonders aus Sicht der akademischen Philosophie: Ein Yogi ist eine Brücke zwischen dem transzendentalen und dem empirischen Raum; ein Yogi kennt den transzendentalen Raum aus eigener Erfahrung. Ob eine solche Erfahrung möglich ist, diskutierten Immanuel Kant und andere Philosophen ausführlich. Im Gespräch mit Shri Shiva Rudra Balayogi hätten sie ihre philosophischen Fragen gründlich erörtern und klären können. Er hätte ihre Fragen so geduldig, verständnisvoll, bescheiden und liebenswürdig beantwortet, wie Er es immer tut. Das Ego eines Yogis wurde in den langen Jahren des Tapas verbrannt und hat dem Einen, Höchsten Frieden Raum gegeben; auf Beziehungsebene äussert sich dieser Höchste Friede in Form allumfassender Liebe und wird erlebbar. Sie wird auf beeindruckende Weise offenbar in der Liebe von Shri Shiva Rudra Balayogi zu Seinem Guru, Shri Shivabalayogi. Ihm gegenüber ist Shri Shiva Rudra Balayogi ein Sohn; allen anderen gegenüber ein Vater: ‚Baba’ – und mit dem respektvollen Suffix: ‚Babaji’. ‚Shri’ wird in der indischen Öffentlichkeit als Ehrentitel vorangestellt.
Ich danke Shri Shiva Rudra Balayogi, Shri Babaji, für Vieles – in diesem Fall insbesondere für die Erlaubnis und Ermunterung, dieses Buch zu übersetzen, sowie für Sein grosszügiges Angebot, Übersetzungsschwierigkeiten mit Ihm besprechen zu können; ebenso danke ich Seiner Shishya, Maa Amba Shivaranjani, die wie schon beim englischen Original ihre Zeit geschenkt hat, um diese deutsche Ausgabe möglich zu machen. Bruce Young, der Autor des englischen Originals, hat auf hingebungsvolle Weise geholfen, zahlreiche Detailfragen zu klären. Ohne meine Ehefrau Marisol Figueroa Reitze wäre es nicht zu dieser deutschen Ausgabe gekommen. Durch sie habe ich Shri Babaji kennengelernt und sie war meine erste Adresse für alle Fragen. – Ich danke allen, die sowohl die englische Originalausgabe als auch die deutsche Ausgabe von ‚Guru-Shishya’ ermöglicht haben, indem sie den Inhalt geformt und ihn schliesslich technisch zugänglich gemacht haben.
Wenn Sie als Leserin und Leser Unstimmigkeiten feststellen, sind wir dankbar für Hinweise, die helfen, eine nächste, verbesserte Ausgabe zu schaffen (Adressen sind im Anhang zu finden).”

Dr. Simon Reitze
November 2017