KLANG

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Ein Geräusch erzeugt im Menschen reflexartig die Wahrnehmung, dass da etwas ist, das sich gerade bewegt und lebendig sein könnte. “Da ist etwas. Da ist jemand. ”

Schon bevor ein Mensch auf die Welt kommt, macht er akustische Erfahrungen. Schon bevor er sich selber als jemand Eigenständiges wahrnimmt, erlebt er Klang. Klang ist feine Berührung, die stimuliert. In Geräuscherlebnissen formt und entwickelt sich der Mensch. Bis zur Wahrnehmung: “Hier bin ich. Und da ist jemand/etwas anderes.”

Welt klingt, schwingt. Wir ziehen unsere Rückschlüsse darauf, von was ein bestimmter Klang ausgeht. Unsere Erfahrung löst in uns ein Gefühl gegenüber dem Verursacher des Klangs aus. Ist es das Geräusch eines Freundes? Eines Feindes? Welche Welt klingt so?

Künstliche Sounds zu erzeugen erfordert das Verständnis für elementare Zustände des Menschen und ihre akustischen Entsprechungen. Klänge evozieren die Vorstellung eines Raumes (beispielsweise durch Hall) und einer ganzen Welt. Die Schwingung eines Klangs erreicht uns unvermittelt und wirkt, noch bevor wir uns ihrer bewusst werden.

Rhythmus bedeutet Wiederholung. Wir interpretieren sie unbewusst als Absicht von etwas/jemand, als Richtung einer gelenkten Energie. Zusammen mit unterschiedlichen Klangfrequenzen, an-/abschwellender Dynamik oder Permanenz ergeben Klänge den Eindruck einer Welt, die gerade entsteht, bereits besteht und tönt oder schon wieder vergeht. Bestimmte Klänge können in uns Resonanzen erzeugen, die sowohl beleben als auch behindern.

Klang ist schöpferisch, der gelingende Umgang mit Klang eine Kunst.