RAUM


Zur Welt zu kommen, bedeutet, einen gewohnten Raum zu verlassen und von einem neuen aufgenommen zu werden. Die Welt ist jeweils der Raum, der uns umgibt. Seine Form liefert uns bestimmten Erfahrungen und Zuständen aus: Enge, Geborgenheit, Freiheit, Verlorenheit, … Der Raum ist die ganze einen umgebende Welt mit ihrer Form, ihrem Licht, ihrer Akustik, ihren taktilen und weiteren Wahrnehmungsqualitäten. Raum ist Welt.

Ein gut gestalteter Raum offeriert eine lebendige Beziehung. Seine Form ist in jeder Distanz kommunikativ, von sichtweiter Ferne bis zur taktilen Nähe. Die Bewegung durch den Raum ist ein sich veränderndes, sinnesstimulierendes Erlebnis.

Ein architektonischer Raum sollte daher mehr sein als bloß eine materielle Schutzhülle für ungünstige Witterungsverhältnisse. Raum zu denken bedeutet, Welt zu denken und die Beziehung des Menschen zur Welt und zu sich selber. Es ist eine Lebenswelt – für was für ein Leben? Für welche Lebensform? Im Raum erlebt man nicht zu letzt sich selber und erkennt eigene Entwicklungsmöglichkeiten. Raum ist Entwicklungsmöglichkeit.

Bild: Die Fassade des Doms von Orvieto.